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Google Translate: Freund oder Feind?

Warum automatische Übersetzungen nicht immer „The yellow of the egg“ sind

Autor
Portrait von Susanne Holzer. | © punkt & komma
Susanne Holzer
Content-Redakteurin

Igitt! Das bedeutet also diese seltsame Zutat auf der spanischen Speisekarte – gut, dass du noch schnell Google Translate befragt hast! Googles kleiner Fremdsprachen-Assistent ist tatsächlich manchmal goldwert. Auf einer fremdsprachigen Website shoppen, vor dem Urlaub schnell noch deinem Hotel eine Frage mailen … Für all diese Fälle und noch viele mehr ist Google Translate absolut empfehlenswert.

Aha, denkst du jetzt, dann kann ich doch eigentlich gleich meine ganze Website von dem schlauen Tool übersetzen lassen? Schließlich kostet so eine Übersetzung doch ohnehin viel zu viel Geld!

Und klar, das kannst du natürlich machen. Aber nur so als kleiner Tipp: Lies dir vielleicht zuerst noch diesen Artikel durch. Das könnte dir nämlich nicht nur jede Menge Ärger, Spott und Hohn ersparen, sondern tatsächlich bares Geld …

Google Translate – noch nie gehört?

Der Google Übersetzer, oder englisch Google Translate, ist ein Onlinedienst von Google, der vom einzelnen Wort bis zur ganzen Website Texte maschinell in andere Sprachen übersetzt. Und dabei lässt sich das Programm nicht lumpen: Mehr als 100 Sprachen bietet Google Translate mittlerweile zur Übersetzung an.

Von den Anfängen des Übersetzers im Jahr 2006 bis heute hat sich dabei so einiges getan. Zu Beginn wurden „nur“ Dokumente der Vereinten Nationen und des Europäischen Parlaments als Datenbasis verwendet. Mittlerweile greift die Software auf Künstliche Intelligenz und Deep Learning zurück, um die Qualität der Übersetzungen zu steigern. Tagtäglich verarbeitet Google Translate heute etwa 500 Millionen Anfragen – und übersetzt so eine Textmenge, die ungefähr einer Million Bücher entspricht.

Schon gewusst? Über die Jahre hat sich die KI sogar so weit entwickelt, dass sie von und in Sprachen übersetzt, für die das Programm ursprünglich gar nicht vorgesehen war. Möglich macht’s die künstliche Computersprache „Interlingua“, die das System als „Mittelsprache“ selbst entwickelte. Und die übrigens zur menschlichen Kommunikation gänzlich ungeeignet ist … 

Die Vorteile von Google Translate: 

  • Es ist kostenlos.
  • Es ist rund um die Uhr verfügbar.
  • Es ist verdammt schnell.
  • Es entwickelt sich ständig weiter und wird immer besser.

Die Grenzen des Möglichen

Wenn Google Translate also so toll ist, warum wollen wir dich dann davon abhalten, deine Website damit zu übersetzen? Lasst uns mal ein kleines Experiment machen …

Gib doch mal zum Spaß Folgendes im Google Übersetzer ein: „Du hast Kohlmeisen.“

Und? Lustig, oder? Na gut, das war jetzt nur für einen kurzen Lacher zwischendurch – streng genommen ist das nämlich gar nicht falsch. Aber bei den nächsten Beispielen vergeht einem bald das Lachen.

Backst du zum Beispiel gern und bist öfter auf englischen Foodie-Blogs unterwegs? Dann bist du dort möglicherweise in der Zutatenliste schon auf „Cream of Tartar“ gestoßen. Ein Klick auf Google Translate verrät: Deinem Kuchen fehlt also „Sahne von Zahnstein“*. Mmmmmh, lecker! 

Auch für den „Ostzonensuppenwürfel“ – zugegeben ein Vokabel, das du wahrscheinlich weniger oft brauchst – spuckt das Programm eine fragwürdige Antwort aus. „kkk“ – bitte was?!

Kurios wird’s auch bei der Übersetzung der Wikipedia-Definition des Begriffs „Volkwirtschaftslehre“:

  • „Die Volkswirtschaftslehre (auch Nationalökonomie oder wirtschaftliche Staatswissenschaften kurz VWL) ist ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaft.“

wird zu …

  • “Economics (also economics or economics for short, economics) is a branch of economics.”

Schön langsam dämmert dir wahrscheinlich, warum wir dich eingangs vor Google Translate „gewarnt“ haben. Im Alltäglichen oft ein unschätzbar wertvoller Helfer, stößt das Programm bei komplexeren Sachverhalten nämlich oft rasch an seine Grenzen. Und dass das besonders in Bereichen wie Medizin oder Recht ganz schnell brenzlig werden kann, brauchen wir dir wohl nicht zu sagen …

Warum baut Google Translate manchmal Mist?

Deutsche Sprache, schwere Sprache – bis zu einem gewissen Grad stimmt das natürlich. Aber warum Google Translate manchmal mit kuriosen oder schlichtweg falschen Übersetzungen daherkommt, hat einen anderen Grund.

Denn was dem Programm fehlt, ist Kontext – sprich, das große Ganze. Maschinelle Übersetzung stößt deshalb (noch) oft an ihre Grenzen, weil natürliche Sprache etwas ungemein Komplexes ist. Viele Bedeutungen erschließen sich erst aus dem Zusammenhang.

Das Problem ist, dass Google jeden Satz „isoliert“ übersetzt. Vielleicht stehen aber gerade im nächsten Satz Informationen, die für die Übersetzung entscheidend wären. Wie soll die Software ohne Kontext wissen, ob du in deinem Satz die Bank zum Sitzen oder die zum Geldabheben meinst?

© Photo by Ugo Mendes Donelli on Unsplash

Vereinfacht funktioniert Google Translate so:

  • Es sucht Websites, die es in mehreren Sprachen gibt.
  • Dabei zieht es unterschiedlichste Quellen heran, von der Nachrichten-Website bis zum Onlineshop.
  • Auf Basis dieser Texte errechnet eine Software die Wahrscheinlichkeit, dass Wörter oder Sätze einander entsprechen.
  • Ausgespielt wird die jeweils wahrscheinlichste Übersetzung deiner Anfrage.
  • Je mehr Daten vorhanden sind, desto besser die Ergebnisse.

Das führt uns auch schon zu den Schwachstellen des Systems. Denn wo „nur“ die wahrscheinlichste Übersetzung für deinen Text ausgespuckt wird, bleibt natürlich ganz schön viel Raum für Fehler.  

Die Nachteile von Google Translate

  • Es bietet nur eine „Rohübersetzung“. Nur weil die Übersetzung am wahrscheinlichsten ist, muss sie noch lange nicht richtig sein.
  • Es kann durch fehlenden Kontext keine Rückschlüsse auf Bedeutungen ziehen.
  • Es bietet keine Vertraulichkeit. Jeder Text, den du in Google Translate eingibst, wird von Google gespeichert. 
  • Es bietet keine Möglichkeit, Texte zu lokalisieren oder an bestimmte Zielmärkte anzupassen. Die Adaption von Inhalten an bestimmte Kulturkreise ist aber ein ungemein wichtiger Aspekt! 
  • Es schadet deiner Suchmaschinenoptimierung. Google klassifiziert Texte, die von einem automatisierten Tool übersetzt und vor der Veröffentlichung nicht geprüft oder bearbeitet wurden als „Automatisch generierter Inhalt“. Und das wirkt sich negativ auf dein SEO aus!
© Image by Tessa Kavanagh from Pixabay

Und die Moral von der Geschicht: mit Google übersetzt man nicht?

Nein, ganz so ist es natürlich nicht. Der Google-Übersetzer ist in vielen Lebenslagen ein unschätzbar wichtiges Tool. Nur eben nicht in allen! Und gerade wenn es um medizinische, rechtliche oder auch werbliche Texte geht, solltest du lieber die Finger von Google lassen.

Unser Fazit

Du kannst Google Translate ruhigen Gewissens verwenden, wenn …

  • … du es nur zum groben Verständnis eines fremdsprachigen Textes benötigst. Als Deutsch-Muttersprachler fallen dir grobe Sinn- und Grammatikfehler in so einem Fall meist selbst auf und können entsprechend korrigiert werden.
  • … du es für Übersetzungen in die Fremdsprache, in unserem Fall Englisch, verwendest, die nur zum Eigengebrauch gedacht sind. Wenn der Text nicht nach außen geht und dir egal ist, dass er vielleicht nicht lupenrein ist, spricht nichts gegen Google Translate.
  • … als grobe (!) Hilfe beim selbst Übersetzen.

 

Du solltest auf Google Translate verzichten, wenn …

  • … dein übersetzter Text nach außen, etwa an einen Kunden, geht. So ersparst du dir jede Menge Peinlichkeit.
  • … du einen Marketing-, Rechts- oder Medizintext übersetzt, bei dem es auf höchste fachliche Genauigkeit oder nuancierte Wortspiele ankommt.
  • … du sicher gehen willst, dass dein Text auch WIRKLICH richtig und nicht nur „wahrscheinlich“ richtig übersetzt wird. 

 

Übrigens: Google selbst sagt, sein Programm sei „not intended to replace human translators“. Das freut natürlich ganz besonders die höchst menschlichen Übersetzer von punkt & komma!  Wie euch diese bei euren englischen Texten und Übersetzungen helfen können, erfahrt ihr in unseren englischen Webtext-Services.

 

*was du natürlich wirklich in deinen Kuchen geben solltest, ist Weinsteinbackpulver

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