Status quo Content-Automatisierung

Was können Text-Engines, wer nützt sie, wo sind sie schon im Einsatz?

Mit Content-Automation, also Text-Engines oder Text-Robotern, wie sie manche Marketer nennen, tritt vielleicht des Webtexters größter Albtraum in Erscheinung. Werden wir bald nicht mehr gebraucht? Durch künstliche Intelligenz ersetzt? Oder auf der anderen Seite: Sind sie vielleicht die Lösung für Large Scale Content, also individuellen Content in hoher Zahl wie in den Bereichen E-Commerce und Travel üblich? Wir haben den Trend schon länger im Blick, ein wenig experimentiert und beantworten die wichtigsten Fragen rund um Content-Automatisierung.

Was ist Content-Automatisierung?

Eigentlich ist die Bezeichnung selbsterklärend – bei der Content-Automatisierung geht es darum, automatisiert Content zu generieren. Wir gehen noch einen Schritt weiter und behaupten: Content-Automatisierung ist nicht nur die spezifische Text-Erstellung mithilfe von strukturierten Daten und künstlicher Intelligenz. Es betrifft auch die Auswahl des richtigen Contents für jeden Kanal im richtigen Format sowie die Content-Distribution. Mit Content-Automatisierung verabschieden wir uns also von statischem Content. In diesem Artikel fokussieren wir uns jedoch auf die Automatisierung von Webtext.

Text-Engines machen also im Prinzip nichts anderes, als automatisiert Webtext auf Datenbasis zu erstellen. Klingt faszinierend? Ist es auch! Was uns gleich zur zweiten Frage bringt …

Warum macht Content-Automatisierung Sinn? Und warum nicht?

Im Zusammenhang mit Content-Automatisierung wird immer von der Technologie der Zukunft gesprochen. Webprojekte werden immer größer, Text kann oft nicht mehr kosteneffizient von einem echten Menschen erstellt werden. Dennoch hat Automatisierung ihre Grenzen.

Vorteile von Text-Automatisierung

  • Content-Automatisierung steigert die Effizienz.
  • Content-Automatisierung erhöht die Produktivität.
  • Mit Content-Automatisierung können große E-Commerce-Projekte gestemmt werden.
  • Automatisierte Texte sind unique.

Nachteile von Text-Automatisierung

  • Automatisierter Text ist relativ leicht zu erkennen.
  • Content-Automatisierung macht erst ab sehr großen Textmengen Sinn (etwa 1.000 Texte pro Monat).
  • Text-Automatisierung ist nicht für jede Art von Webtext geeignet.
  • Automatisierungstools sind sehr kostenintensiv.

Text-Engines als Zukunft des Content Marketings?

Wofür eignet sich Text-Automatisierung?

Wir als Webtexter behaupten nun frech: Einen computergenerierten Text erkennen wir schon aus 100 Metern Entfernung! Das wird vor allem im direkten Vergleich deutlich, wenn man beide Textarten nebeneinanderstellt.

Doch gleichzeitig stellt man sich auch die Frage: Ist das immer wichtig? Achtet man wirklich bei einem Paar Schuhe im Lieblings-Onlineshop maßgeblich auf einen gehaltvollen Text mit Unterhaltungswert?

Wir haben daher zusammengefasst, für welche Textarten sich Automatisierung anbietet:

  • E-Commerce und Webshops: unzählige Produkttexte mit ähnlichem Aufbau
  • Open-Data-Projekte: Texte, die vorrangig auf Daten basieren und wiederkehrend (täglich oder sogar mehrmals täglich) aktualisiert werden müssen – z. B. Wetter, Nachrichten, Sportberichte, Informationen zu Börsenkursen

Umgekehrt ist Automatisierung für folgende Textarten ungeeignet:

Wie funktionieren Textgeneratoren?

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Mit einem Klick erstellen die Textroboter tausende von individuellen Produktbeschreibungen, für die ein Texter hundert Stunden oder mehr gebraucht hätte. Ganz so einfach ist es nicht, denn Textgeneratoren arbeiten mit strukturierten Daten – und diese müssen zunächst gepflegt werden.

Moderne Automatisierungssoftware liest zuerst die Daten aus einer Datenbank aus – zum Beispiel Produktinformationen für einen Mode-Onlineshop oder Spielergebnisse aus der Fußball-Bundesliga. Die Text-Engines interpretieren die Semantik, also die Bedeutung der Inhalte, und kreieren daraus Texte. Diese Texte wiederum bestehen aus Wörtern und Phrasen, die ebenfalls in einer Datenbank liegen.

Was die Technologie heute bereits durch künstliche Intelligenz kann, ist erstaunlich: Die Software erkennt, wenn ein Fußballverein mehrmals hintereinander gewinnt und baut beispielsweise Superlativen in den Text ein.

Schlauen Webtextern wird bestimmt schon aufgefallen sein: Automatisierter Webtext ist nur so gut wie die Daten in der Datenbank selbst!

Textengine-Beispiel Retresco
Beispiel-Screenshot von Retresco, einer führenden Automatisierungs-Software (c) textengine.io

Content-Automatisierung ist nicht gleich Textspinning!

In Zeiten von immer höheren Anforderungen an Suchmaschinenoptimierung sind in den letzten Jahren einige Textspinning-Tools entstanden. Die könnte man leicht mit Content-Automation verwechseln. Diese Tools tun aber nichts anderes, als bei bestehenden Texten Wörter auszutauschen und untereinander zu verschieben. Unique Content weit gefehlt – und sowas von 2013 …

Wie wird automatisierter Webtext erstellt?

Vorausgesetzt man hat sich für ein Tool entschieden (Awantego, Retresco, …) beginnt die etwas andere Arbeit des Webtexters.

Die Schritte im Überblick:

  1. Datenbanken vorbereiten
  2. Beispieltext erstellen
  3. Webtext-Prototyp erstellen
  4. Content testen
  5. Webtext automatisiert erstellen lassen

Schritt 1: Datenbanken vorbereiten

Wir erinnern uns: Wie gut ein automatisch erstellter Webtext ist, hängt maßgeblich von der Qualität der Daten ab. Der erste Schritt ist daher extrem wichtig, um hochwertige Texte zu erhalten. Die Ausgangsbasis für eure Produkte muss also entsprechend sauber und strukturiert sein. Strukturiert bedeutet, dass über alle Informationen, die in die Engine „hinein“ sollen, eine homogene Struktur herrscht. Sowohl bei produktbezogenen (Produktname, Preis, Artikelnummer, Eigenschaften, …) wie auch bei sprachlichen Daten (Adjektiven, Phrasen, Überschriften). Beispiel: Wird bei bestimmten Inhalten Singular verwendet, muss das über alle Inhalte hinweg gleich sein – sonst entsteht fehlerhafter Text.

An dieser Stelle kann man auch mit Content für bestimmte Personas arbeiten!

Tipp: Möglichst frühzeitig auch Aspekte wie SEO berücksichtigen und entsprechende Datenfelder definieren.

Schritt 2: Beispieltext erstellen

Jedes noch so intelligente System braucht einen Ausgangspunkt. Dieser ist ein vom Redakteur erstellter Beispiel-Webtext. Der Webtext dient also als Vorlage für alle automatisiert generierten Artikel und muss folgende Variablen enthalten:

  • Variablen für Produktdaten wie Bezeichnung, Farbe, Material, Zutaten, Mengenangaben etc.
  • passende Stellen für Synonyme, damit der automatisierte Text möglichst individuell wird
  • Abhängigkeiten untereinander, um besondere Produkteigenschaften sprachlich hervorheben zu können (Beispiel: ein günstiges Reiseangebot wird zum Last-Minute-Schnäppchen)

Schritt 3: Webtext-Prototyp erstellen

Der Webtext-Prototyp transferiert den Beispieltext ins Automatisierungstool. Datenfelder werden angelegt, Abhängigkeiten definiert, Adjektive und Überschriften an ihre Position gebracht. Es passiert im Grunde nichts anderes, als dass die Datenspalten und -Felder mit den richtigen Plätzen im Text verbunden werden.

Auch werden beim Webtext-Prototyp Bedingungen erstellt, wann bestimmte Sätze/Wörter verwendet werden und wann nicht.

Schritt 4: Content testen

In der Testphase stellt sich heraus, wie gut die Arbeit in den vorangegangenen Phasen war: also ob die Daten sauber gepflegt wurden, sich der Beispieltext als solcher eignet und der Prototyp korrekt erstellt ist.

Die Datenbank wird zum Testen mit einigen wenigen Daten befüllt, aus denen ein paar Probetexte generiert werden. Es wird sich schnell herausstellen, ob sich die Texte für das Webprojekt eignen, oder ob noch einmal ein Schritt zurückgegangen werden muss. In diesem Fall beginnt die Arbeit von Neuem, bis der Output in der Testphase zufriedenstellend ist. Dabei ist es ganz normal, den Testdurchlauf mehrmals durchzuführen!

Webtext automatisiert erstellen

Nun geht’s ganz schnell: Mit wenigen Klicks können so viele Texte erstellt werden wie Datenzeilen in der Datenbank vorhanden sind.

Text-Beispiel automatisierter Text von awantego
Automatisch generierter Text anhand des Beispiels Fernseher (c) awantego.com

Ist Content-Automatisierung nun die Zukunft des Webtextens?

Wir sagen ganz klar: „jein!“ Oder auch: „kommt darauf an …“

Zum einen ist der Schlüssel für jede Automatisierung die Nutzerfreundlichkeit und zum anderen ist nicht jede Art von Webtext dafür geeignet. Manche E-Commerce-Projekte wären ohne Content-Engines schlichtweg nicht umsetzbar.

Wir sind uns zwar sicher, dass sich die Arbeit des Webtexters in den nächsten Jahren verändern wird – das tat sie schon immer! Aber qualitativer Content ist und bleibt der Schlüssel zum Onlineerfolg.

Übrigens: Dieser Text wurde nicht automatisch erstellt.

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