Unterwegs mit Periscope

punkt & komma testet die Livestream-App

Es ist ein kühler Donnerstagabend im Mai, tausende Menschen sitzen vor dem Fernseher und verfolgen gespannt das „Germanys Next Topmodel“-Finale. Plötzlich wird der Bildschirm schwarz und minutenlang bleiben die Zuschauer ahnungslos. Über das Smartphone und Co. informieren sie sich über den Verbleib der Show und stolpern früher oder später über die Berichterstattung eines einzelnen Journalisten. Dieser schickt unmittelbar während der Evakuierung aufgrund einer Bombendrohung Live-Videos aus der Arena – via Periscope.

Livestream aus der Region

Persico – was? Als „neuester heißer Scheiß“ wird die App seit mehreren Wochen nun schon gehypt und verspricht, den Journalismus zu revolutionieren. Günter Exel hat uns die App bereits am ContentDay 2015 vorgestellt und schon damals gemeint:

„Ob es nun die Menschen hinter einer Marke sind, die Kunden eines Unternehmens oder die Gäste einer Destination: Wenn wir uns in deren Erzählungen und Erlebnissen wieder erkennen, beflügelt es unser eigenes Erleben. Deshalb begeistert mich auch Echtzeit-Content so sehr. Impressionen, die nicht gestriegelt und poliert sind. Aus dem Augenblick heraus entstanden.“

Genau das verspricht Periscope: eine Live-Video-Übertragung, ohne redaktionellen Eingriff und ohne nachträgliche Bearbeitungsmöglichkeit. 24 Stunden sind die Videos anschließend abrufbar, bevor sie gelöscht werden. Gerade für Unternehmen ist die App Fluch und Segen zugleich: Es ist so einfach wie nie zuvor, den Kunden einen Eindruck von der Region, dem Produkt oder der Firma zu bieten, aber auch so schwer wie noch nie. Geht etwas schief, lässt sich der Fehler nicht mehr korrigieren. Der Vorgang des Hochladens und Einreichens eines Video-Clips – wie zum Beispiel bei YouTube – entfällt bei Periscope gänzlich. Es gibt auch keine Überprüfung auf Jugendschutzrichtlinien. Und wie sieht die App in der Nutzung aus? Wir haben den Selbstversuch gestartet.

 

Tag 1: Das Fotoshooting

Heute sind wir mit unserem Kunden Urbankeller bei einem Fotoshooting. Ich begleite die Szenerie mit dem Handy. Mein Selbstgespräch kommt mir zu Beginn äußerst dämlich vor. Dann trudeln die ersten Kommentare ein und das Selbstvertrauen wächst. Interviews mit Model, Fotografin und Visagistin sorgen für Abwechslung zur monotonen Begleitung. Und dann plötzlich – Mist, schon wieder vorbei. Wie im echten Leben ist man auch mit Periscope manchmal einfach zu spät dran.

 

Tag 2: Das Büro

Willkommen in der Franz-Josef-Straße 3/3! Heute führe ich euch durch unser Büro. Die Kollegen grinsen in die Kamera und ich verlasse das Büro lieber wieder – ganz wohl ist mir das Selbstgespräch auch hier nicht. Lieber zeige ich den fleißigen Periscope-Usern (Ganze 14 sind gerade live mit mir unterwegs) noch den Flur und den Seminarraum – viele Herzchen am rechten Rand zeigen: Das gefällt!

 

Tag 3: Privat unterwegs

Am Lagerfeuer, auf dem Rad oder an der Salzach: Auch privat macht man mit Periscope eine gute Figur. Mit Hintergrundinformationen und persönlichen Geschichten fällt auch das Reden nicht mehr schwer. Die Herzchen kommen zuhauf und das Interesse an der Natur und der Landschaft Salzburgs ist größer, als das an unserem Büro. Das wundert uns jetzt aber wirklich sehr.

periscope-test

 

Chance & Herausforderung zugleich

Unser Fazit: Periscope für Privatpersonen ist das eine, es professionell zu betreiben das andere. Die App stellt hohe Anforderungen an die Qualität und die Organisation der Berichterstattung und muss dementsprechend geplant werden. Nur nach einer gründlichen Planung und einer sauberen Organisation kann die Live-Berichterstattung also tatsächlich funktionieren. Den Journalismus wird das Phänomen Real-Time-Streaming vermutlich wirklich noch stark verändern. Der Fall vom „Germanys Next Topmodel“-Finale zeigt, dass Periscope längst das Potenzial hat dort einzuspringen, wo große Medienhäuser zu unbeholfen und zu langsam reagieren.

 

So klappt es mit Periscope

 

  • Denk darüber nach, was du den Menschen eigentlich erzählen willst: Hintergrundinformationen und spannende Zusatzinfos binden die Leute an deinen Stream.

 

  • Kommentiere was du siehst! Du denkst vielleicht „Die sehen das ja eh selber“, aber dafür sind deine Zuseher nicht hier: Sprich mit ihnen und sei du selbst der rote Faden in deiner Berichterstattung. Werden dir Fragen gestellt? Super, nimm dir Zeit um alle zu beantworten.

 

  • Suche dir Gesprächspartner! Du stehst mitten in einer Küche und willst den Arbeitsalltag herzeigen? Schnapp dir den Koch und lass dir erklären, wie man das beste Steak grillt. Kläre deine Gesprächspartner aber immer vorab darüber auf, dass alles live übertragen wird.

 

  • Logisch: Je besser die Kamera, desto besser wird auch dein Stream. Eine gute Kamera am Smartphone ist also eine Grundvoraussetzung für eine professionelle Berichterstattung. Schnelles Schwenken und Wenden sollte ebenfalls vermieden werden.

 

 

 

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